Unverschämt!

Haben Sie auch schon mal so gedacht? Vielleicht bei einer Feier, wo sie beobachten, wie sich ein „ausgehungerter Gast“ gleich vier Stück Torte auf den Teller schaufelt. Unverschämt empfinden wir Sachen, wo jemand eine gewisse Grenze überschreitet. Wir sagen an der Stelle auch oft: „Der weiß nicht, wann Schluss ist!“

So eine ähnliche Situation wird uns im 2. Buch Mose Kapitel 33 berichtet.

Mose ist mit Gott im Gespräch. Er hat erneut von Gott den Auftrag bekommen, dass Volk zu führen. Mose wünscht sich Einblick in die Wege Gottes. Er wünscht sich Klarheit für den zu gehenden Weg. Und er wünscht sich eine klare Zusage, dass Gott mitgeht. Gott geht auf Moses Bitte ein. Er bestätigt die Zusage seiner Gegenwart.

Und dann hören wir Mose sagen: „Lass mich deine Herrlichkeit sehen!

Da stockt einem der Atem. Der erste Gedanke ist: Unverschämt! Er will die Herrlichkeit Gottes sehen.

„Herrlichkeit“ heißt wörtlich übersetzt „Gewichtigkeit“. Man kann das Wort auch noch mit den Begriffen Macht, Würde und Majestät, Kraft, Größe, Ehre und Wunderwirken übersetzen.

Mose will Gottes Majestät sehen. Gottes Majestät zeigt sich in der Schöpfung und auch in seinem Eingreifen in die Geschichte.

Das hat Mose beim Auszug aus Ägypten ja gerade reichlich erfahren. Er will aber mehr. Mit der Bitte, die Herrlichkeit Gottes zu sehen, ist der Wunsch verbunden, ein sicheres Zeichen zu bekommen, was jeden noch so kleinen Zweifel wegwischt. Mose will ein untrügliches Zeichen dafür, dass er Gnade vor Gott gefunden hat. Er will absolute Sicherheit.

Wünschen wir uns nicht hin und wieder auch so ein Zeichen? Ein Zeichen, was uns ganz gewiss macht und uns unseren Glaubensweg sicher gehen lässt.

Nicht, das wir nicht auch schon Dinge mit Gott erlebt hätten, aber so ein Zeichen, ein eindeutiges Zeichen seiner Gegenwart, wäre nicht schlecht.

Gott hätte jetzt aufbrausen können. „Mein lieber Mose, jetzt überspannst du aber den Bogen!“ Er macht es nicht!

Gott empfindet es gar nicht als unverschämt. Er kennt seinen Mose und er kennt auch uns. Er weiß, dass so ein Wunsch nach Sicherheit zutiefst menschlich ist. Seine liebevolle, fürsorgliche, aber auch klare Antwort fasziniert mich.Ich will meine ganze Schönheit vor dir vorüberziehen lassen, …(2. Mose 33, 19). So heißt es in der Einheitsübersetzung. Wo hier Schönheit steht, muss genauer übersetzt Güte stehen. „Ich will vor deinem Angesicht all meine Güte vorübergehen lassen, ….

Mir gefallen beide Übersetzungen. Die Güte und seine Barmherzigkeit ist es, die Gottes Schönheit ausmachen.

Haben Sie schon einmal in ein gütiges Gesicht geschaut? Es ist einfach nur schön. Egal wie viele Falten es vielleicht schon durchziehen. Ein gütiges Gesicht strahlt Schönheit aus. Gott sagt dem Mose zu: „Du kannst dir meiner Güte und Barmherzigkeit sicher sein. Das zeichnet mich aus! Das ist mein Wesen! Du wirst es erleben.“

Was Mose hier als besonderes Privileg erfährt, wird etliche Jahre später der ganzen Menschheit gewährt. Der Blick auf Gottes Herrlichkeit.

Johannes 1, 14: „Das Wort wurde Mensch und lebte unter uns. Wir selbst haben seine göttliche Herrlichkeit gesehen, wie sie Gott nur seinem einzigen Sohn gibt. In ihm sind Gottes vergebende Liebe und Treue zu uns gekommen.

Wenn wir auf Jesus schauen, sehen wir Gottes Herrlichkeit, die sich uns in seiner grenzenlosen Güte und Barmherzigkeit zeigt.

Es ist tatsächlich nicht unverschämt, sich nach Gottes Gegenwart zu sehnen. Gott will uns in seiner Güte immer wieder aufs Neue erinnern: „Ich bin bei euch, alle Tage! Vertraut mir und ihr werdet es erleben."

Ich wünsche uns allen, viele herrliche Momente in der Gewissheit seiner Gegenwart.

Ihr/Euer

Matthias Klöber