„Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“
So kennen wir die Worte einer machtbesessenen Königin, die neben sich keine andere Schönheit duldet. Märchen beginnen ja immer mit: „Es war einmal…“.

Nur ist dieses Streben nach Macht, nach Größe, nicht etwas von Gestern, sondern hoch aktuell.

Es begegnet uns tagtäglich. Und das nicht nur in den Medien, wenn es um die große Politik geht, sondern auch in unserem ganz kleinen, persönlichen Umfeld.

Überall geht es darum, sich zu messen. Wer hat den schönsten Garten? Wer hat das tollste Auto? Wer hat den aufregendsten Urlaub erlebt? Wer hat das günstigste Schnäppchen gemacht?

Aber auch in frommen Kreisen gibt es das. Wer hat die meisten Gottesdienstbesucher? Wer lebt am kompromisslosesten nach der Bibel?
Nun, dieses Sich-mit-anderen-messen liegt anscheinend in unserer menschlichen Natur. Die Frage, wer wohl der Größte ist, zieht sich durch alle Lebensbereiche.

Im Matthäusevangelium 18, 1 lesen wir sogar davon, wie die Jünger Jesus fragen: „Wer ist eigentlich der Größte im Himmelreich?“

Und dass sie da durchaus auch an sich selber dachten, zeigt die Begebenheit aus Markus 10, 35 - 37.
Könnte es sogar einer von uns sein?

Die Reaktion von Jesus ist sehr direkt.
Kümmert euch nicht darum, wer evtl. der Größte ist. Das muss nicht eure Sorge sein. Ihr solltet lieber Sorge dafür tragen, dass ihr überhaupt ins Himmelreich kommt. Und er macht eindrücklich deutlich, was es dazu braucht. Es braucht eine totale Sinnesänderung.

„Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.“

Das sagt er den Erwachsenen. Deutlicher kann man eine Sinnesänderung nicht machen.

Was ist es, was Jesus uns Erwachsenen bei einem Kind als Vorbild hinstellt?

1. Kinder sind absolut abhängig von den Eltern.

Jesus stellt uns die Frage, ob ich mich ganz abhängig von Gott machen will?
Will ich demütig sein, mich im wahrsten Sinne des Wortes unter den Willen Gottes drunterstellen?
Bei Jesus selbst gipfelte es in dem Gebet: „Nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe!“ (Lukas 22, 42)

2. Kinder sehen es als selbstverständlich an, dass der Vater sich um sie kümmert. Sie vertrauen total. Suchen bei jeder Gefahr bei ihm Zuflucht.

Wie ist das bei mir? Vertraue ich total? Wende ich mich im festen Vertrauen an meinen himmlischen Vater, der es gut mit mir meint, auch wenn es äußerlich so gar nicht danach aussieht?

Dieses kindliche Vertrauen und ein demütiges Drunterstellen stellt Jesus uns als Weg ins Himmelreich vor.
Gott als den sehen und annehmen, der er ist, nämlich mein himmlischer Vater, der nichts lieber hat, als mich bei sich zu haben.

Machen wir es wie die Kinder und suchen immer wieder die Nähe unseres himmlischen Vaters.

Und eines kann ich versprechen: In seiner Nähe wird uns alles Streben nach Größe immer unwichtig, weil wir mehr und mehr erkennen, dass wir geliebte Kinder Gottes sind. Und bei Kindern Gottes gibt es keine Steigerungsmöglichkeit mehr. Größer kann man nicht werden.

Ihr/Euer
Matthias Klöber